Spielerisches Arbeiten

Arbeit macht Spaß, wenn sie keine ist.

Ich sitze hier an meinem Schreibtisch und es fließt gerade so aus meiner Tastatur. Was auch immer bei diesem Artikel herauskommt, Spaß macht er mir jetzt schon.

Woran das liegen mag? Vielleicht an meiner Umgebung. Ich bin zu Hause, neben mir steht eine Tasse mit Milchkaffee –meine Lieblingsmischung, Wiener Melange, milder Kaffee mit einigen Kakaobohnen, frisch gemahlen für mich bei einer kleinen Rösterei. Diesen trinke ich aus meiner bunten Lieblingstasse und sehe der Sonne beim Durch –die-Bäume-Scheinen zu. Das ist Luxus.

Natürlich, Luxus! Weil ich meine Zeit einteilen kann. Weil ich kreativ sein kann und sogar hoffen kann, dass es Menschen interessiert, was ich zu sagen habe. Nicht nur, wenn ich über eins meiner Lieblingsthemen, das Grundeinkommen, referiere.

Denn so wichtig das BGE auch ist, so wichtig die Diskussion über die Art und die Ausgestaltung ist, ist das Grundeinkommen doch nur eine Grundvoraussetzung, wenn auch eine wesentliche.

Wofür? Für Arbeit und Leben natürlich. Menschenwürdig und selbstbestimmt. Ich behaupte nämlich, Menschen wollen arbeiten. Natürlich gibt und gab es immer Leute, die Arbeit scheuen wie der Teufel das Weihwasser, da nützen keine Chancen und auch kein Druck. Diese Leute werden nicht arbeiten. Auch dies muss eine funktionierende Gesellschaft aber mittragen. Schließlich reden wir hier von gefühlt 2% der Menschen. Der Drang, etwas Sinnvolles zu tun ist uns in aller Regel eingepflanzt.

So, wie Kinder spielen wollen. Um Spaß zu haben, aber immer auch, um sich zu entwickeln. Kinder wollen „groß werden“. Und kaum sind sie dann endlich groß, lernen sie, dass Individualität ihren Preis hat – besonders als Prämisse.

Die spannenden Spiele sind in meiner Kindheit immer jene gewesen, bei denen ich aus Intuition und Kreativität heraus begann, etwas wild drauf los zu gestalten.

Auch beim privaten Schreiben ist es nicht anders. Erst später kommen Leitfäden und Methoden zum Einsatz. Am Anfang stehen die Lust und die Idee. Sonst kann trotz aller Methodik nichts Neues entstehen. Ich habe mich nicht hingesetzt und meiner Barbiepuppe ihr silbern-glitzerndes Hochzeitskleid angezogen, weil es so von mir erwartet wurde oder die anderen es machen. Oder damit ich Nachtisch bekomme, damit Mama zufrieden ist oder gar, weil es eine Anleitung gab. Nichts davon wäre mir in den Sinn gekommen.

Ich habe stattdessen Omas Lumpenkistchen mit Stoffresten genommen und die Barbies neu angemodelt. Ihnen irgendwas umgehängt, was verwegen aussah, aus buntgemusterten Läppchen, mit Leomuster, Blumenschürzchen, blauer Seide oder Wollfäden. Was ihnen eben so richtig gut stand! Ihre glattgekämmten Haare habe ich verwuschelt und dann neu gekämmt und ihnen mit meinen selbstgedrehten Kordeln Zöpfe gebunden.

Und dann waren die sterilen Festtagspüppchen plötzlich lebendig und reisetauglich. So erlebten sie einige Abenteuer auf Schiffen, Burgen und mit meinen Autos und Kuscheltieren zusammen. Als Schiff taugte eine Kiste, als Burg mein Stuhl, behangen mit Leinentüchern und Stöckchen auf dem Dach. Oder meine Plastiktierchen fuhren mit dem „Düsenjet-Lift“ nach Afrika. Das war ein Suppenlöffel, der an einem gespannten Seil quer durch die Wohnung von oben nach unten sauste. Und ich rannte feixend hinterher.

Was habe ich zum Spielen gebraucht?

Eine Umgebung, in der ich entspannt war und mich wohlfühlen konnte. Mein Kinderzimmer und unseren Garten. Nicht zu vergessen die ganzen Felder drum herum. Das Dorfleben ist sicherlich das Beste, was einem Kind passieren kann, denn es macht kreativ, unempfänglich für schnöden, toten Konsum und fördert das Träumen und die Phantasie. Dann brauchte ich natürlich Material, das Spielzeug werden konnte. Wie Lumpen, Stöckchen, Möbel. Und Spielzeug. Daraus entstand eine Idee. Die Umsetzung, sprich das Basteln, Frisieren, Ankleiden, brauchte ein wenig „Know-How“, das man sich währenddessen aneignete oder vorher schon hatte.

Hinzu kommen Spielkameraden, Freunde. Die waren mir damals nur teilweise wichtig. Wenn ich etwas erschaffen wollte, tat ich dies allein. Ich wollte nicht, dass meine Schulfreundinnen mir reinredeten. Mit denen spielte ich auch, aber anderes. Verstecken, „vier gewinnt“ oder irgendwas draußen nachspielen, was wir im Fernsehen gesehen haben. Dinge, die allein eben nicht gingen.

Die heute so vielbeschworene Agilität war ebenfalls gegeben – ich konnte einfach vom Spielzimmer in den Garten, mir dort weiteres Arbeitsmaterial beschaffen, meinen Spielplatz dorthin verlegen samt Puppen oder sogar auf die Felder hinaus.

Das hat Spaß gemacht. Mein Spiel war individuell, kreativ, und es interessierte mich nicht im Geringsten, wer außer mir das sonst noch schön fand.

Heute arbeite ich nicht wesentlich anders – aus Barbiepuppen und Suppenlöffellift ist der Laptop geworden, an dem ich schreibe. Alternativ gehe ich in die Natur und fotografiere. Meine Umgebung ist in der Regel mein Zuhause, meine eigenen vier Wände, in denen ich mich sicher fühlen kann und entspannt. Weil ich es so mag. Ich kann mich aber auch wieder mitten in die Felder setzen und tippen. Oder auf einen Spielplatz.

Klassische Kollegen habe ich auch, bei meiner Teilzeitstelle in der Uni. Wenn ich schreibe oder meiner Selbständigkeit nachgehe, tue ich dies meist allein, oder in virtuellen Teams und Redaktionen. Bei meiner politischen Arbeit ist dies unerlässlich. Und es macht Spaß. Ebenso tröstet mich über die Entfernung von geschätzten Kollegen oft hinweg, dass ich Anlaufpunkte in ganz Deutschland habe und darüber hinaus bis in die USA. Denn irgendwann trifft man sich persönlich, wenn es sich eben ergibt. Ich kann dank Laptop, Internet und Telefon Leute auf dem ganzen Erdballen erreichen, wenn ich will. Und mit ihnen planen und arbeiten. Daran ist aber nun nichts wirklich Neues. Der vielbeschworene Begriff „New Work“ ist mir oftmals ein Rätsel.

Die Grundvoraussetzungen für mein erfolgreiches, da befriedigendes Arbeitsleben sind gar noch dieselben wie in meiner Kindheit. Die Möglichkeiten sind jedoch ganz andere. Das Grundeinkommen befähigt dazu, Dinge zu tun, die man immer schon tun wollte, ohne Existenzkampf. So kannte ich es auch aus dem Studium – für Essen und Wohnung war durch elterlichen Unterhalt plus Kindergeld gesorgt, jobben ging ich nur für Reisen und andere Extras.

Was ist also das Fazit?

Um erfolgreich kreativ zu sein, hilft es, spielerisch neue Möglichkeiten nutzen, ohne die Angst, etwas auszuprobieren. Beharrlich aber entspannt und lustvoll seine Fähigkeiten zu verbessern und sich auf Neues einlassen. Technik muss dem Menschen dienen, denn dazu ist sie da. Mit dem umgehen, was einem zur Verfügung steht, um das bestmögliche Ergebnis zu erreichen. Weiter nützt der berühmte Mut zur Lücke. Sich selber fordern und zu dem Ergebnis stehen, auch wenn es nicht gleich perfekt ist. Durch Scheitern einen Lernprozess in Gang setzen, der Spaß macht. Nicht ohne besser werden zu wollen. Das ist für mich kreatives Arbeiten. Auf die innere Stimme hören und sich die äußeren Einflüsse und Gegebenheiten zunutze machen, darum geht es. Arbeit klingt nach Last und Mühsal. Glücklich macht das aber nicht; deshalb: Spielen Sie wieder, anstatt zu arbeiten.