Der Wert von Verantwortung

Heute wird soviel über Unternehmenskultur und Kommunikation geschrieben, dass mir, wenn ich alle Blogartikel lese, schwindelig wird. Da der „Fisch vom Kopf her stinkt“ ist Leadership natürlich Thema Nummer eins. Natürlich gehört zu den Aufgaben eines Chefs auch, die Leute passformgerecht einzusetzen. Passformgerecht nach Potential und optimal passend für das Unternehmen. Würde dies geschehen, würden sich viele Probleme von selbst erledigen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Leute am zufriedensten sind, wenn sie ihre eigenen Aufgaben haben, am besten in Form von Projekten. Projekte, die sie von A bis Z verantworten, planen und begleiten. Warum? Ganz klar:

Es befriedigt zu sehen, der Arbeitserfolg ist gleichbedeutend mit dem persönlichen Erfolg und hängt von der selbständig erbrachten Leistung ab.

Im Zeitalter der Industrialisierung war das Hauptproblem die Entfremdung der Arbeitskräfte von ihrer Arbeit, worum sich die Kritik von Karl Marx am Kapitalimus rankte.

Arbeiter verdienten ihren geringen Lebensunterhalt, in dem sie Schräubchen in eine Maschine einfügten, zu der sie keinen Bezug hatten.

Ihre Welt waren die Schräubchen, am Fließband in hartem körperlichen Einsatz gefertigt – Erfolgserlebnisse über die Entstehung der fertigen Maschine, ihrem Nutzen für die Menschheit und Wirtschaft waren ausgeschlossen. Um die Familie zu ernähren, betraten die Arbeiter aber täglich das gehasste Hamsterrad, schraubten Schrauben und hofften auf den Feierabend – und ihren kleinen Lohn, um Brot für sich und ihre Kinder zu kaufen.

Längst veraltet, denn nun sind wir im modernen Zeitalter der Digitalisierung. Hierarchien werden flacher, verlieren an Bedeutung und der Mitarbeiter wird am Unternehmenserfolg und dem Ergebnis seiner Leistungen beteiligt. Alle sind oder werden zufrieden sein. Denkt man. Manches hat sich aber in vielen Unternehmen nicht geändert. Gerade in der Verwaltung sind die Zustände haarsträubend. Menschen werden dazu erzogen, auszuführen, ohne mitzudenken. Denn täten sie dies, würde ihnen vieles sinnlos vorkommen. Inklusive ihrer eigenen Arbeitsleistung. Worauf sie stolz sind, ihre Talente und Fähigkeiten, gehen unter in einer Maschinerie des Kapitalismus. Weil es niemanden interessiert, was sie eigentlich können. Und was sie bewegen könnten, wenn man sie ließe. Warum auch? Viele Führungskräfte fahren besser damit, alles weiterlaufen zu lassen, wie es ist, um zu ihrem Profit und ihrer eigenen Karriere zu gelangen. Manche Angestellte sind damit zufrieden, aber haben doch unterschwellig das Gefühl, dass ihnen etwas fehlt. Selbstverwirklichung im Beruf, gerade auch, um das eigene Unternehmen voranzubringen, ist oft nach wie vor ein Luxusgut.

Eigenverantwortung im Job heißt nicht, für Führungskräfte die Kohlen aus dem Feuer zu holen!

Vorgesetzte, die es sich möglichst bequem machen wollen, schieben die Verantwortung gern ehrgeizigen Mitarbeitern zu. Nach dem Motto „Sie sind doch so gut in diesem und jenem, könnten Sie nicht vielleicht …“ Ohne entsprechende Bezahlung und ehrlicher Anerkennung für Extraleistungen werden sich aber nur Menschen mit angeborener Opferhaltung dazu verdonnern lassen, dem Chef den Lorbeerkranz zu retten. Wenn ich aber für das Gesamtergebnis verantwortlich bin, kann ich das Schräubchen bis zu seiner Arbeit in der Maschine begleiten. Schritt für Schritt. Am Ende bekomme ich dann auch den Lohn. Einerseits habe ich etwas sinnvolles getan, andererseits bekomme ich die Anerkennung. Organisieren heißt für mich, den Hut auch für das Gesamtwerk auf zu haben. Dann ist die Sinnstiftung gegeben.  Mein dringender Rat an Führungskräfte ist daher: gebt Mitarbeitern mehr Verantwortung!

Sinnstiftung ist keine Worthülse. Sondern das Ergebnis eigenverantwortlicher Arbeit.

 

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